Eine Leiche und ein Krankheitsfall

Heute fuhren wir in den Süden der Bretagne um uns der Megalithkultur zu widmen. Die Bretagne ist nämlich dafür bekannt, dass es hier sehr viele Zeugnisse eben jener gibt. Zuerst fuhren wir nach Locmariaquer, wo sich eine große Grabanlage aus dieser Zeit befindet. Der riesige Menhir ist zwar umgestürzt und zerbrochen, man fragt sich aber dennoch, wie man ihn vor tausenden von Jahren kilometerweit hierher transportieren konnte. Sehr gut erhalten ist der Grabtumulus, den man sogar innen besichtigen kann. Der Verstorbene dürfte Normanne gewesen sein, denn er ließ seine Grabkammer mit geometrischen Mustern ausstatten, die wir bereits aus Bayeux kannten, nur halt etwas feiner gestaltet (Nein ich bin nicht Bayeux lastig). Dieser Verstorbene ist aber nicht die erwähnte Leiche, denn von ihm ist nichts mehr da, da die Erde sehr sauer ist. Nun ging es nach Carnac, einem Waterloo für die Landwirtschaft, denn hier hat irgendjemand mit einem Faible für Steine die Wiesen und Felder der gesamten Umgebung mit Steinen verschiedener Größe zugepflastert. Er hatte durchaus Ordnungssinn, denn sie stehen in Reih und Glied, aber es bleibt wohl die Frage nach dem Sinn der Sache, er bleibt uns wohl ewig verschlossen. Ist es ein Hinweis auf die Endlichkeit des Seins (nur die Steine überdauern?), ist es eine neurotische Zwangshandlung, ist es eine geheime Botschaft ins Weltall, ist es Kunst, kann es weg oder war hier nur jemanden fürchterlich langweilig? Mit einem ganzen Katalog an Fragen brachen wir auf nach Auray einem kleinen mittelalterlichen Städtchen, denn so schön die Steine auch sind, irgendwann reicht es dann doch. Freunde des Fachwerks werden in Aurey glücklich sein, so wie in vielen Orten der Bretagne. Und wer ist den kein Freund dieses märchenhaften Baustils? Man sieht doch die Knusperhexe schon direkt vor Augen, wenn man vor einem Fachwerkhaus steht. Die örtliche Kirche besitzt ein wunderbares Rennaissancegewölbe und eine hl. Barbara, die wirklich eine ordentlich großen Turm bei sich hat. Weiter ging es nach Vannes einer weiteren mittelalterlichen Stadt. Allerdings war leider unser guter Andreas erkrankt (wir hoffen auf baldige Besserung), deshalb konnten wir nicht bis in die Altstadt vorstoßen , da wir nach Rennes zurückkehrten. Offenbar hat sein empfindsames Gemüt bereits die Hiobsbotschaft geahnt, die uns auf dem Rückweg ereilte. Während unserer Abwesenheit hat sich in unserem Büro dramatisches ereignet. Unser lieber kleiner Pius XIII. wurde heute tot in seinem Käfig aufgefunden.

Ein Kommentar zu “Eine Leiche und ein Krankheitsfall

  1. 1. Aufrichtige Anteilnahme!
    2. Gute Besserung!
    3. Mir gefällt dein Blog sehr gut – ich verstehe nicht, dass du deswegen hinter Gitter musst!
    ALM

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