Vom Bastard zum König

Heute ging es in die Normandie, die ja im zweiten Weltkrieg stark umkämpft war und daher viel an historische Bausubstanz eingebüßt hat. Doch um das Städtchen Bayeux machten die Kämpfe einen Bogen, denn hier ist die Altstadt perfekt erhalten. Bayeux ist zwar nicht riesig, aber immerhin der zweitälteste Bischofssitz der Gegend. Diesem Fakt Ehrerbietung zollend, besichtigten wir zuerst die Kathedrale. Der heutige Bau stammt aus der Gotik, es hat aber auch vieles aus der romanischen Kirche den Umbau überlebt, so hat man zum Beispiel die romanischen Säulen und die Wende belassen. Denn so wie der Bretone Lücken verabscheut, so hasst der Normanne leere Wände und deshalb hat man die Wände zwischen und über den Säulen mit einem steinernen Tapetenmuster versehen, was wiederum den gotischen Normannen wahnsinnig beeindruckt haben muss, weshalb er es beließ, wie es war. Wenn man schon in Bayeux ist, so muss man sich natürlich auch den gleichnamigen Teppich anschauen. Immerhin zählt er schon beinahe tausend Lenze und hat viel überstanden. Fast wäre er zur Abdeckung von Planenwagen verwendet worden, was man noch verhindern konnte. Man hätte nämlich sonst massive Einbußen bei den englischen Touristen verzeichnet, für die der Teppich sehr wichtig ist, zeigt er doch ihre Geschichte. Aber auch Astronomen erfreuen sich des Teppichs, da man auf ihm die älteste Darstellung des Halleyschen Kometen findet. Interessant ist auch, die auf ihm gezeigte Darstellung, wie man Kirchenrecht auslegen kann. Denn der gute Bischof Odo von Bayeux (er war ein Halbbruder Wilhelms des Bastards Herzog der Normandie), wusste als er mit seinem Bruder in die Schlacht von Hastings zog, dass er als Geistlicher kein Blut vergießen darf. Als Kenner der französischen Küche, kannte er aber Kniffe, wie man tötet, ohne Blut zu vergießen. Will ich eine schöne Blutente essen, dann muss ich sie erwürgen, damit alles drin bleibt. Dies ist nur leider in einer Schlacht etwas unpraktisch. Aber wenn ich die Gegner mit einem Knüppel erschlage (natürlich nur aus Weichholz, man ist ja kein Unmensch), dann vergießt man auch kein Blut. Das war klug und weise und half dem armen Bastard Wilhelm die Schlacht zu gewinnen und den englischen Thron gleich dazu. Da sein Beiname nun halt nicht sehr königlich war, wurde der Bastard nun schnell durch einen Eroberer ersetzt, was sich deutlich besser anhörte. All diese schönen Dinge kann man nebst pflügenden Bauern und zahlreichen Leichen auf dem wunderbaren Teppich sehen. Denn was schmückt ein gemütliches Heim mehr, als gestickte Bilder von abgeschlagenen Händen und gespaltenen Köpfen? Weiter ging es nun nach Michelsberg (der Franzose nennt es Mont Saint Michel). Der Anblick der Insel ist gewaltig und der Ansturm an Touristen ebenfalls. Wenn es im Februar schon so voll ist, sollte man es im Sommer vermutlich meiden. Wir konnten hier unsere in Bayeux begonnene Geschichte von beschädigten Köpfen gleich fortführen. Denn der heilige Michael höchstpersönlich gab den Auftrag, hier eine Abtei zu errichten. Der gute Bischof Aubert, dem er dies mitteilte, hatte aber wenig Lust auf die Aufgabe und tat, als würde er nichts hören. Da griff Michael zu anderen Mitteln und bohrte einfach seinen Finger in den bischöflichen Kopf und das schien zu überzeugen, denn nun thront das Kloster samt Kirche auf der Insel. Aber offenbar dachte der gute Bischof Aubert, warum nur er leiden solle und baute das Kloster möglichst hoch auf den Felsen, damit man nicht zu leicht raufkommt. Ist man mal oben, überlegt man, ob man nicht Eremit werden soll, um sich den Weg zu sparen. Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis fuhren wir noch nach Fougeres, einer beeindruckenden Festungsanlage, die lange Zeit als uneinnehmbar galt, bis man das Schießpulver hatte, dann war es vorbei mit der Sicherheit in Fougeres. Aber noch hat man ja noch das romanische Gnadenbild der Madonna von Marais, an die man sich wenden kann. Leider war bei unserem Besuch unsere liebe Frau abwesend, da sie gerade auf Kur weilt, wir mussten uns mit einem Foto begnügen.

PS.: Das heutige Beitragsbild ist dem Umstand geschuldet, dass es gestern Beschwerden gab (von genau einer Person), dass ein Mitreisender gestern auf keinem Bild zu sehen war. Dies hole ich noch nach und hoffe es fühlt sich dadurch niemand gestört.

2 Kommentare zu „Vom Bastard zum König

  1. PPS: es gab auch Beschwerden von einem gewissen Herrn Florian, dass er zu wenige Fotos bekommt…aber der Grund warum er keine eigenen macht ist ja schon bekannt!!!
    Nicht erwähnt wurde im gestrigen Blog, der sehr Bayeux lastig ist, die sehr Holde Wettersituation die uns während der Fahrt Regen bescherte und uns beim verlassen den Autos Sonnenschein gewährte. Nicht zu vergessen die Raunzerei bei Saint Michel warum wir keine Pferdekutsche statt dem Bus zum Kloster genommen haben. Auch würde ich den oben genannten Tip nicht beachten, der von einen Besuch in den Sommermonaten Abstand nimmt. Auch wenn es überfüllt von Touristen ist, sollte man das nicht missen. Allein der Blick aus der Entfernung, wenn es gefühlte 5cm groß ist, ist Goldes wert.
    Auch sollte meiner Meinung nach auch das Zwischenmenschliche nicht zu kurz kommen und unsere gemütliche Zeit in den Zimmern nicht vergessen werden zu erwähnen. Klausi schnarcht, Jan trinkt Bier, Bernhard versucht munter zu bleiben und spritzt sich Wasser ins Gesicht, Andreas kontrolliert die Facebook Einträge und Bauchi liegt am Boden…schreibt einen Blog mit sehr vielen Rechtschreibfehlern, fehlenden Beistrichen und nicht gekennzeichneten Zitaten 😉
    PPPS: jemand steht nicht zu seinen Fehlern und hat nachträglich den Blogtext bearbeitet!!!

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  2. Lieber Zeusl-Zausel, da bläst dir ja ganz schöner Gegenwind ins Gesicht!
    Den Blogtext hast du aber zu wenig bearbeitet, weil du die WENDE bei den Säulen nicht GEWÄNDET hast.
    Mit den Bildern muss ich dir zustimmen, die sind wirklich etwas dürftig – da bin ich von dir anderes gewohnt.
    Das Sankt-Michelsberg-Heiligenschein-Abschlussbild ist aber sehr schön und friedlich!
    ALM

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